Kompetenzstufen

Qualifikationsstufen

Die Mitarbeit in einem Ethikberatungsgremium erfordert eine planvolle Vorbereitung.

Ethikberatung im Gesundheitswesen gewinnt als Instrument zur Verbesserung der Qualität der Versorgung von kranken, pflegebedürftigen und behinderten Menschen, zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. In verschiedenen Stellungnahmen von Krankenhausgesellschaften, Standesvertretungen oder medizinischen Fachgesellschaften wird die Implementierung entsprechender Strukturen wie z.B. Ethikkomitees, Ethik-Foren oder Ethik-Arbeitsgruppen empfohlen. Das Hessische Krankenhausgesetz schreibt seit 2011 vor, dass jedes Krankenhaus eine(n) Ethikbeauftragte/n zu bestellen hat. Auch bei der Zertifizierung von Gesundheitseinrichtungen wird Ethikberatung als Qualitätskriterium nachgefragt.
Eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Ethikberatung die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann, ist eine angemessen Qualifizierung der Ethikberater/innen.

Die AEM hat als zuständige Fachgesellschaft 2005 und 2007 curriculare Vorschläge für Ethikberatung im Krankenhaus und in der stationären Altenhilfe veröffentlicht, auf deren Grundlagen an verschiedenen Orten Schulungskurse für Ethikberatung durchgeführt werden. Verbindliche Vorgaben, welche Qualifikationen ein Ethikberater/in erfüllen muss, existieren jedoch bislang nicht.

Die nachfolgenden Kompetenzstufen für Ethikberatung im Gesundheitswesen definieren die theoretischen und praktischen Kompetenzen, die nach Einschätzung der Fachgesellschaft ein/e Ethikberater/in, ein/e Koordinator/in für Ethikberatung sowie ein/e Trainer/in für Ethikberatung mindestens haben sollte. Sie wurden von der Arbeitsgruppe „Ethikberatung im Gesundheitswesen“ in der AEM erarbeitet und vom Vorstand der AEM am 23.06.2014 verabschiedet.

1. Ethikberater/-in im Gesundheitswesen (AEM)

2. Koordinator/-in für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM)

3. Trainer/-in für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM)


1. Ethikberater/-in im Gesundheitswesen (AEM)


Qualifikationen

Der Ethikberater/die Ethikberaterin ist qualifiziert, eigenständig und eigenverantwortlich ethische Fallbesprechungen (EthikFallberatungen) in Einrichtungen des Gesundheitswesens durchzuführen. Er/sie ist in der Lage, ein ethisches Problem zu erkennen und zu reflektieren, den Prozess der ethischen Entscheidungsfindung zu moderieren und praktische Hilfestellung bei der Lösung eines ethischen Problems zu leisten. Ferner ist er/sie befähigt, den Bedarf und die Bedeutung von Ethikberatung für die Organisation zu erkennen und systematisch am Aufbau und an der Weiterentwicklung geeigneter Strukturen (z.B. regelmäßige Ethikfortbildungen, Ethikarbeitsgruppen, Ethikkomitee, Ethikkonsil, Ethikcafé) mitzuwirken.

Beispiel: Mitglieder eines Ethikberatungsgremiums (Klinisches Ethikkomitee, Ethik Forum, Arbeitsgruppe Ethikberatung etc.)


Kompetenzen

Der Ethikberater/die Ethikberaterin besitzt grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen Ethik, Organisation und Beratung.


Anforderungen

1.1. Externe/interne Schulung im Umfang von mind. 30 Lehreinheiten à 45 Min. entsprechend den curricularen Vorgaben der AEM [Simon A, May AT, Neitzke G (2005) Curriculum „Ethikberatung im Krankenhaus“. Ethik Med 17(4): 322326. BockenheimerLucius G, May AT (2007) Ethikberatung – Ethik-Komitee in Einrichtungen der stationären Altenhilfe (EKA). Eckpunkte für ein Curriculum. Ethik Med 19(4):331–339]

1.2. Praktische Erfahrungen in der Moderation von Ethik‐Fallberatungen

1.2.1. Teilnahme an mind. 5 Ethik-Fallberatungen, davon Erstellen von mind. 3 Protokollen von Ethik-Fallberatungen

1.2.2 zusätzlich verantwortliche Moderation von mind. 3 Ethik‐Fallberatungen und anschließende Nachbesprechung mit einem/einer qualifizierten
Ethikberater/in

1.3. Alternativ zu 1.2. die Teilnahme an einem, von einem/einer qualifizierten Trainer/in für Ethikberatung durchgeführten Moderationstraining (inkl.
Simulation von Ethik-Fallberatungen) im Umfang von mind. 15 Lehreinheiten à 45 Min.

Von einem/einer aktiv tätigen Ethikberater/in wird erwartet, dass er/sie an Fortbildungen oder wissenschaftlichen Veranstaltungen zum Thema Ethik und Ethikberatung im Gesundheitswesen im Umfang von insgesamt mind. 4 Lehreinheiten à 45 Min. pro Jahr teilnimmt.


2. Koordinator/-in für Ethikberatung (AEM)


Qualifikationen

Der Koordinator/die Koordinatorin für Ethikberatung im Gesundheitswesen ist qualifiziert, Leitungsaufgaben im Rahmen der Ethikberatung, wie z.B. die eigenständige und eigenverantwortliche Koordination der verschiedenen Aufgaben der Ethikberatung (Ethik-Fallberatung, Ethik-Leitlinien, Ethik-Fortbildungen), zu übernehmen. Er/sie trägt die Verantwortung für die Qualitätssicherung und Evaluation von Ethikberatung in der Organisation und wirkt durch Austausch und Vernetzung mit anderen Koordinatoren/innen für Ethikberatung an der Weiterentwicklung der Qualität von Ethikberatung auf regionaler und/oder Trägerebene mit.

Beispiel: Vorsitzende eines Ethikgremiums, Leiter/-innen von Stabstellen für Ethik.


Kompetenzen

Der Koordinator/die Koordinatorin für Ethikberatung besitzt vertiefte Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen Ethik, Organisation und Beratung und ist befähigt, Methoden der Qualitätssicherung und Evaluation von Ethikberatung anzuwenden.


Anforderungen

2.1. Qualifikation als Ethikberater/in (wie unter 1. beschrieben) und zusätzlich

2.2. Teilnahme an Fortbildungen zu medizin‐ bzw. pflegeethischen Themen, die für die eigene Organisation von Relevanz sind im Umfang von mind. 15 Lehreinheiten à 45 Min.

2.3. Teilnahme an Fortbildungen zu organisationsethischen Themen sowie zu Methoden der Qualitätssicherung und Evaluation von Ethikberatung im
Umfang von mind. 15 Lehreinheiten à 45 Min.

2.4. Mindestens 1 Jahr praktische Erfahrungen in Koordination und Moderation von Ethikberatung

Von einem/einer aktiv tätigen Koordinator/in für Ethikberatung wird erwartet, dass er/sie an Fortbildungen oder wissenschaftlichen Veranstaltungen zum Thema Ethik und Ethikberatung im Gesundheitswesen im Umfang von insgesamt mind. 8 Lehreinheiten à 45 Min. pro Jahr teilnimmt.


3. Trainer/-in für Ethikberatung


Qualifikationen

Der Trainer/die Trainerin für Ethikberatung im Gesundheitswesen ist qualifiziert, Ethikberater/innen und Koordinatoren/Koordinatorinnen für Ethikberatung auszubilden sowie die Implementierung von Ethikberatung in Einrichtungen des Gesundheitswesens als Berater/in zu begleiten und zu evaluieren.


Kompetenzen

Der Trainer/die Trainerin für Ethikberatung im Gesundheitswesen besitzt umfassende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen Ethik, Organisation und Beratung, verfügt über praktische und methodische Erfahrungen im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung und Evaluation von Ethikberatung und Erfahrung in der Lehre bzw. Durchführung von Schulungen.


Anforderungen

3.1. Qualifikation als Ethikberater/in (wie unter 1. beschrieben) und zusätzlich

3.2. Grundständiges Studium mit Schwerpunkt Ethik (z.B. Philosophie, Theologie) oder ein geeigneter Aufbaustudiengang (z.B. Medizinethik, Angewandte Ethik), in denen Leistungen im Bereich Ethik im Umfang von mind. 10 credit points (ECTS) erbracht wurden

3.3. Qualifikationen im Bereich von Erwachsenenbildung/Schulung/Lehre, im Umfang von mindestens 15 Lehreinheiten a 45 Minuten (z.B. Kurse für
Hochschuldidaktik oder Praxisanleiter)

3.4 Qualifikationen im Bereich von Kommunikation, Gesprächsführung und Konfliktlösung im Umfang von insgesamt mindestens 40 Lehreinheiten a 45 Minuten

3.5. Mind. 2 Jahre praktische Erfahrungen in der Implementierung und Weiterentwicklung von Organisationsprozessen der Ethikberatung

3.6 Moderation von mind. 20 dokumentierten Ethik‐Fallberatungen

3.7 Der Nachweis der aktiven Mitarbeit bei der Erstellung von mindestens einer Ethik-Leitlinie

Von einem/einer aktiv tätigen Trainer/in für Ethikberatung wird erwartet, dass er/sie an Fortbildungen oder wissenschaftlichen Veranstaltungen zum Thema Ethik und Ethikberatung im Gesundheitswesen im Umfang von insgesamt mind. 16 Lehreinheiten à 45 Min. pro Jahr teilnimmt.


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